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20.08.2015

Zuspruch für die Dörfer

Politiker aller Regierungsparteien diskutierten in Eschenz über Raumplanung und die Zukunft ländlicher Orte. Ebenso wichtig wie alle Planung sei das Engagement von Behörden und Bürgern.

Walter Sommer überraschte mit einem Geständnis: «Um den Metzger im Städtchen zu halten, hat die Gemeinde während zweier Jahre etwas an den Pachtzins bezahlt.» Der Wille der Bevölkerung habe dahinter gestanden, so habe auch er als FDP-Politiker Ja sagen können. «Ausnahmsweise», sagte der Diessenhofer Stadtpräsident. Die Zukunft des ländlichen Raums vor dem Hintergrund der sich neu ausrichtenden Raumplanung stand im Zentrum einer Podiumsdiskussion der CVP Bezirk Frauenfeld am Dienstagabend in Eschenz.

Politiker aller Thurgauer Regierungsparteien waren eingeladen, sich zum Thema zu äussern. Moderiert hat Anne Varenne, Präsidentin von Bildung Thurgau. Alle aspirieren auf einen Sitz im Nationalrat.

Gemeinschaft ist wichtig
Vor dem Podium beleuchteten Sommer und sein Eschenzer Kollege Claus Ullmann die Situation in ihren Gemeinden. Keiner dramatisierte. Wachstum sei für alle Gemeinden weiterhin möglich, allerdings nicht überall gleich stark. Eschenz sei ein Bauern- und Handwerkerdorf. «Es führt kein Weg an innerer Verdichtung vorbei», sagte Ullmann – auch damit die Landwirtschaft nicht weiter an Boden verliere. Laut Sommer soll die Bedeutung des Richtplans für die Zukunft der Dörfer und Gemeinden nicht überbewertet werden. «Es sind doch Bildung, Steuerfuss und Verkehrsanbindung, die unsere Gemeinden attraktiv machen.» Dazu brauche es
gemeinschaftliches Engagement von Behörden und Bürgern, auch, wenn es um den Verbleib des Metzgers im Städtli geht. «Der Wille zur Gemeinschaft ist wichtiger als Wachstum», sagte Sommer. Dazu gehöre auch, dass Gemeinden
vermehrt über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. 

«Gewerbe braucht Fläche»
Die Frage, ob die Thurgauer Dörfer aussterben, verneinten alle Politiker auf dem Podium durchs Band. Das neue Raumplanungsgesetz gelte für alle. «Der Volksentscheid ist zu respektieren», sagte der Sirnacher Gemeindepräsident Kurt
Baumann (SVP) und fügte an: «Begrenzung heisst nicht Stillstand.» Über die Umsetzung waren sich die Politiker von rechts bis links nicht immer einig: Für CVP-Kantonsrat Josef Gemperle ist Kulturland noch zu wenig geschützt, weshalb er sich für die Kulturland-Initiative stark machte. Der SP-Kantonsrat und Diessenhofer Stadtrat Roman Giuliani betonte, dass bei der Entwicklung nicht nur Quantität, sondern auch die Qualität wichtig sei. FDP-Kantonsrat und Gewerbevereinspräsident Hansjörg Brunner unterstrich, dass «das Gewerbe auf dem Land auch Fläche braucht», um sich entwickeln zu können. Für Marlise Bänziger, frühere Schulpräsidentin in Stettfurt, führt kein Weg an Zusammenarbeit der Gemeinwesen vorbei. «Doch der Anstoss muss von unten kommen.»

Diesen Artikel finden Sie auf St.Galler Tagblatt Online hier.